Home

Synchrotron

Inhuman

Andy Monte

Am 28. August 2009, habe ich angefangen an Inhuman zu schreiben. Dieser Roman trug anfänglich den Arbeitstitel Space.

Nach vier Jahren habe ich "Space" endlich fertig gestellt. Ich persönlich empfand es sogar als schade dieses Buch beendet zu haben denn die Arbeit daran hatte mir viel Spaß gemacht.

Ich danke meiner Familie und meinen Freunden, die mich bei der Arbeit großartig unterstützt haben. Sie gaben mir tolle Ideen und Inspiration zum Weiterschreiben. Ohne sie wäre Inhuman vermutlich noch nicht fertig!


Klappentext:


965 Jahre sind vergangen, seit die Menschen die Erde nicht mehr bevölkern. Mit einer Raumschiffflotte haben sie den sterbenden Planeten verlassen und sind auf der Suche nach einer neuen Heimat. Die Freunde Connor, Jonas, Ameley und Jarred sind besorgt wegen merkwürdiger Defekte innerhalb der Flotte. Als sie den Planeten Themis entdecken und ihn ansteuern wollen, häufen sich diese …


Zum Buch:


ISBN: 978-3-99038-344-5
Softcover
694 Seiten
Format: 12 X 19 Cm


Inhuman ist auch als eBook erhältlich.


Bestellung:


Sie können "Inhuman" auch auf den Folgenden Seiten bestellen:

Novum Verlag

Buchhandel.de

Amazon

Weltbild.de

Laubacher Bücherstube

buch.ch

ebay


Novum Verlag


Die heutige novum publishing gmbh wurde bereits 1997 gegründet. Anfangs wurde der Betrieb als Dienstleister – im Bereich Layout – für Verlage im deutschen Sprachraum positioniert. Kurz darauf wurde der eigene Buchverlag mit Kostenbeteiligung durch die Autoren gegründet. Vor allem Neuautoren fanden und finden hier den perfekten Einstieg in die Verlagswelt. Die konsequente Arbeit machte sich im Laufe der Jahre rasch bezahlt und spiegelt sich nicht zuletzt in zahlreichen Auszeichnungen wider. Autoren sind bekannte und unbekannte Schriftsteller aus der ganzen Welt. Sehr häufig handelt es sich um Erstautoren, aber auch bekannte Persönlichkeiten wie Manfred Baumann oder Katy Karrenbauer finden sich im Verlagsprogramm.

Ende 2006 erfolgte die Übersiedlung der Verlagszentrale in ein neues Gebäude in Neckenmarkt. Im September 2007 öffnete eine Niederlassung im ungarischen Sopron ihre Pforten. Das Unternehmen, das derzeit in den Ländern Österreich, Deutschland, Schweiz, Ungarn und Spanien tätig ist, wird von Wolfgang und Sabine Bader geleitet und bietet derzeit rund 40 MitarbeiterInnen einen Arbeitsplatz. Eine europaweite Expansion wird angestrebt.

Leseprobe:


Seit einer Stunde wanderte Connor mit Jonas durch diese Gesteinswüste. Sie sammelten Bodenproben von verschiedenen Orten und verstauten sie in ihren Probenbehältern, die mehrere Einzelfächer hatten, um die verschiedenen Proben zu trennen. Die beiden anderen Planetologen, Mr. Grand und Mr. Sullivan, mit denen Connor das erste Mal zusammen auf einer Landungsmission war, waren in eine andere Richtung gegangen. Jarred war inzwischen unterwegs und stellte einige hundert Meter vom Landungsschiff entfernt einen Peilsender auf. Connor blieb stehen. Er hatte noch nichts Offensichtliches gefunden, was eine Besiedelung des Planeten verhindern könnte. Zum Beispiel hatte der sich am Skaphander befindliche Geigerzähler noch nicht einen Laut von sich gegeben, somit war dieser Bereich äußerst strahlungsarm, was sehr positiv war. Er wurde von Jonas überholt. Connor ließ stets, bei all seinen Landungsmissionen und bei all seinen Untersuchungen, allergrößte Gründlichkeit walten.

Gründlichkeit und Ausdauer war auch vonnöten. Immerhin war er ja nicht hier, um diesen Planeten auf Tauglichkeit für einen Landurlaub zu untersuchen, nein, er war hier, weil dieser Planet das Potenzial hatte, die neue Heimat der Menschheit zu werden. Das war es, wonach sich jeder Mensch seit Generationen sehnte, eine neue Heimat. Sie waren Streuner, die Menschen hatten keinen Ort mehr, den sie ihre Heimat nennen konnten, und was war eine Zivilisation ohne eine Heimat? Ohne einen Ort, an dem sie sich weiterentwickeln konnte? Weiterentwickeln, das war es … Oh, die Menschen entwickelten sich doch weiter, dachte Connor. Sie entwickelten sich weiter, an Bord von Raumschiffen und das funktionierte ja auch, seit Hunderten von Jahren schon. Jedoch gab es einen Nachteil, die Menschen entwickelten sich in eine andere Richtung weiter, als sie es auf einer planetaren Oberf läche täten. Denn sie waren umgeben von Stahlschotts und Energieleitungen, Tag und Nacht, das ganze Jahr lang, nein, ein ganzes Leben lang. Die meisten Menschen verließen die Flotte nie, ja, einige verließen nicht einmal das Schiff, auf dem sie lebten. Am Ende war es doch alles eine Sache der Gewohnheit, so wie bei allen Dingen. Connor ging weiter. Jonas und Connor stapften durch diese fremdartige Welt und lauschten dem Gespräch, das Grand und Sullivan führten. Da die beiden in einer anderen Richtung unterwegs waren, entzogen sie sich Jonas und Connors Sichtfeld. Sie waren aber, zur Sicherheit, alle über einen Sprechfunkkanal miteinander verbunden und konnten sich ständig hören. „Weißt du“, sagte einer der beiden, „das geht bei mir alles, mit der Wasserversorgung hatte ich noch nie Probleme. Dafür funktioniert in meiner Wohnung manchmal die künstliche Schwerkraft nicht. Wirklich sehr merkwürdig.

Kannst du dir vorstellen, wie störend es ist zu sehen, wie das Wasser davonschwebt, das man gerade trinken wollte?“ „Also, das solltest du dem Reparaturpersonal melden, ist doch dumm, wenn so etwas passiert, so könnte ich nicht wohnen“, antwortete der andere. Connor horchte auf. „Hey, genau dasselbe Problem habe ich auch“, sagte er. „Melden Sie es dem Reparaturpersonal, die werden dann ein Aufzeichnungsgerät in Ihrem Quartier anbringen, um festzustellen, wie oft dieser Schwerkraftfehler auftritt, das haben sie bei mir auch getan.“ „Danke, ich werde daran denken“, kam die knappe Antwort über den Sprechfunkkanal. Jonas beugte sich zu Boden und hob einen faustgroßen Stein auf. „Wofür hältst du das ganze Zeug hier?“, hörte Connor ihn fragen, während er den Stein betrachtete. Jonas’ Stimme klang blechern durch die Sprechanlage. „Die ganzen Felsen müssen ziemlich eisenhaltig sein“, antwortete Connor. „Dieser Planet ist ein einziger Erzklumpen.“ „Ich messe hier eine Temperatur von minus 179 Grad Celsius“, mischte sich eine dritte Stimme ein. Es war einer der beiden anderen Planetologen. Connor glaubte, dass es Sullivan war, er wusste es aber nicht genau. „Nun ja, das müsste sich nach dem Terraformingprozess geben. Durch Treibhauseffekte kann die Planetenoberf läche aufgeheizt werden“, gab Jonas zurück. „Warten wir lieber die Ergebnisse der Planetenkernanalyse ab“, schaltete sich Jarred dazu. „Ich habe den Peilsender fertig aufgebaut und justiert.“ „Sehr gut, Jarred“, lobte ihn Jonas. Eigentlich hatte Jarred schon einige Dutzend Male einen solchen Peilsender aufgebaut und nie war es dabei zu Zwischenfällen gekommen, das Lob war eigentlich nur noch freundschaftlicher Natur, nur damit es jemand gesagt hatte.

Jonas wusste aber auch, dass Jarred sehr gern gelobt wurde. Mit dem Sender hatte Jarred einige Seismografen aufgestellt, um die Beschaffenheit der im Untergrund liegenden Gesteine zu analysieren. „Dann geh zurück zum Landungsschiff und kontakte die Leitstelle, sie können dann die Kernanalyse starten.“ „Wird gemacht, Chef !“, kam prompt und überschwänglich die Antwort. „Ein Bäumchen hier, ein Blümchen dort, und schon würde es hier doch ganz hübsch aussehen“, setzte er oben drauf. „Schon klar, Jarred“, sagte Jonas lachend. Die Planetenkernanalyse wurde bei allen Planeten unternommen, deren Durchmesser groß genug war, um eine Atmosphäre halten zu können, jedoch nicht so groß, dass er ein Gasplanet sein würde. Gasplaneten hatten irgendwo in ihrem Zentrum auch einen festen Kern, der jedoch so groß war, dass er eine gewaltige und giftige Gasatmosphäre an sich band. Da die Erde, so wie sie früher einmal gewesen war, dies ja nicht in diesem Umfang tat, musste ein solcher Planet um ein Vielfaches größer sein, um zu einem Gasriesen zu werden. Auch hatte ein solcher Gasriese keine direkte Oberf läche unter seinem Gasmantel. Das Gas ging, je näher man dem Kern kam, erst ins Flüssige über und dann irgendwann in den festen Zustand. Die Kernanalyse sollte jedoch zum einen aufdecken, in welchem Umfang etwaige Ressourcen vorhanden waren und zum anderen sollte sie die Temperatur im Planeteninneren und die Dicke der Kruste ermitteln. „Ich bin jetzt wieder beim Landungsschiff “, ertönte Jarreds Stimme durch die Sprechanlage. „Ich stelle die Funkverbindung zur Einsatzzentrale auf dem Führungsschiff her …“ Man hörte aus seiner Stimme die Konzentration, die er in seine momentane Arbeit legte.

„Verbindung ist hergestellt.“ Jarred machte eine kurze Pause. „Landungsschiff Illinois 001 ruft das Führungsschiff Tantalus, bitte kommen.“ Es folgte ein kurzes Rauschen. „Diensthabender Offizier Harris vom Führungsschiff Tantalus hier, ich kann Sie gut verstehen, Jarred, warum so förmlich heute?“, erklang rauschend eine Stimme. Mr. Harris bemühte sich nicht um einen professionellen Ton, er koordinierte oft die Landungsmissionen, auf denen sich Jarred Jo Davies befand. „Was denn, Bill, ich befolge nur das Protokoll“, gab Jarred sarkastisch zur Antwort. Ein bellendes Lachen ertönte. „Ja genau, Jarred, wie du meinst.“ „Los jetzt, Bill, starte die Kernanalyse, ich habe den Peilsender aufgestellt und eingerichtet, wir sind ja nicht zum Spaß hier, und wenn’s geht, möchte ich zum Mittag zu Hause sein.“ Man konnte durch den Sprechfunk hören, wie Mr. Harris ein paar Schalter betätigte. „Ja, ich empfange sein Funkfeuer, die Umgebung ist geräumt, keine Lebensanzeichen in unmittelbarer Nähe.“ Konzentration überlagerte Harris’ Worte. Er bediente die Sensoren des Raumschiffes, um festzustellen, ob die Umgebung um den Peilsender geräumt war. Die Daten, die die Sensoren lieferten, von den Bildschirmen abzulesen, erforderte viel Mühe. Je nach Bedarf konnte man verschiedene Computerfunktionen nutzen, um die Sensorenanzeigen auf alles Mögliche zu prüfen. Zum Beispiel Magnetismus auf der Oberf läche oder eben auf Hinweise, die Leben bedeuten könnten. Mr. Harris machte dies aber nicht zum ersten Mal und konnte die Anzeigen ohne Hilfe des Computers deuten, was viele Jahre an Sensorauswertungsarbeiten verlangte.

So sparte sich Harris über die Jahre das Umherjonglieren mit Computerfunktionen und viel Zeit. „So, dann wollen wir das Spektakel mal starten“, sagte er lachend. „Ich ziele auf den Peilsender, der Orbit stimmt, alle Mann aufgepasst …“ Connor und Jonas, die das ganze Gespräch mitgehört hatten, wandten ihre Blicke in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Dann passierte es. Ein goldfarbener bis roter Strahl schoss vom Himmel und traf irgendwo hinter einer Erhöhung auf. Eine Erschütterung durchlief den Boden, das konnte Connor durch die dicken Stiefel des Skaphanders spüren, hören konnte er davon jedoch nichts. Jarred sah vom Landungsschiff aus etwas mehr, ein Strahl, der in der Ferne den Boden traf, da, wo er den Peilsender aufgestellt hatte. Ein Leuchten ging von dem Strahl aus. Es war ein sanftes und angenehmes Pulsieren. Gold und Rot wechselten sich ab. Die Planetenoberfläche wurde von dem Schattendasein, das sie fristete, erlöst, seit Jahrmillionen waren die Felsen hier in ein unheimliches Zwielicht getaucht, jetzt wurden sie warm angeleuchtet und die eisenhaltigen Felsen glitzerten wie Sterne, die auf den Boden gefallen waren. Eine Rauchwolke stieg rings um den Strahl vom Boden auf. Sie war von innen beleuchtet und glomm orange in sanftem Licht. „So, Achtung jetzt, wir haben gleich die Kernmantelgrenze erreicht, welche die festen von den f lüssigen Bestandteilen des Planetenmantels und seines Kerns trennt, achtet auf die Beben“, sprach Harris warnend. So kam es. Der Boden begann lautlos zu beben. Schnelle, kurze Bewegungen. „Ich habe jetzt alle Daten, ich schalte den Bohrer ab.“

Der Strahl verschwand. Hinter der Erhöhung leuchtete es jedoch noch sanft weiter. „Ich habe alle Daten und schicke sie an die PL-Abteilung, macht nur weiter, Jungs, Tantalus Ende.“ Mit einem Knacks wurde die Funkverbindung zum Führungsschiff unterbrochen. PL war die Abteilung der Planetologen, Connors Kollegen. „Immer wieder ein Schauspiel“, sagte er. „Schade, dass der Planet nicht mehr Atmosphäre besitzt, es hätte noch viel wundervoller ausgesehen.“ „Du weißt ja selbst, Connor, ohne Atmosphäre kein Streulicht, das ist ja auch der Grund, warum es hier keine Halbschatten gibt“, sagte Jonas belehrend. „Ich weiß“, erwiderte Conner lächelnd. Plötzlich bebte die Erde noch einmal kurz. Connor erschrak und stieß einen kurzen, krächzenden Laut aus. „Was war das, Nachbeben sind ziemlich ungewöhnlich, oder?“ „Ich weiß nicht, das ist mir noch nicht untergekommen.“ Jonas hatte beide Arme leicht vom Körper weggestreckt, um das Gleichgewicht zu halten. „Nun ja, so ein Planet funktioniert kompliziert, es kann doch jedes Mal anders sein, oder?“, sprach einer der beiden anderen Planetologen durch die Sprechanlage. Diesmal war die Stimme anders. Das muss dann wohl Mr. Grand sein, überlegte Connor f lüchtig. „Hm, ja schon …“ Wieder bebte der Boden, lautlos aber heftig. „Verdammt, nein, das ist auf keinen Fall normal“, f luchte Connor, während er versuchte, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Stürze waren gef ährlich, sie hätten den Skaphander beschädigen können. Rauschend schaltete sich wieder Mr. Harris dazu: „So Jungs, da haben wir die Auswertung, sieht ziemlich schlecht aus.“

Die Erdstöße wurden heftiger und das Glühen hinter der Anhöhe wurde stärker. Dann sah Jonas Felsbrocken und Hunderttausende weiße Lichtpünktchen hinter der Anhöhe hervorschießen. Wie Kanonenkugeln schlugen die Felsbrocken in der näheren Umgebung ein. Wie Kanonenkugeln, jedoch völlig lautlos. „Oh, mein Gott, los, zum Landungsschiff, alle, sofort!“, schrie Jonas. Connor lief los, so schnell wie es der Skaphander und das anhaltende Beben zuließen, und das war eigentlich ziemlich langsam, zu langsam. Dicht gefolgt von Jonas, der bemüht war, nicht zu stürzen, bewegten sie sich zwischen den scharfen Felsen entlang. „Was ist denn los bei euch?“, fragte Harris mit leichter Beunruhigung. „Wir wissen es nicht genau, es scheint einen Magmaausbruch zu geben. Jarred, mach sofort das Landungsschiff startklar, wir müssen los, sobald alle an Bord sind“ schrie Jonas atemlos. Wieder kam eine Salve Gesteinsbrocken angef logen. Weiß glühend stieg hinter der Erhöhung Lava auf. Der schwarze Rauch, der eine schwache pilzförmige Wolke über der Ausbruchsstelle bildete, machte das Bild noch bedrohlicher. Ein rot glühender Klumpen schlug gefährlich dicht neben Jonas ein. Gesteinssplitter, die sich bei dem Aufprall lösten, und der Schreck warfen ihn zu Boden. „Lauf weiter“, sagte er nur zu Connor, während er sich schon wieder aufrichtete. Im Sprechfunk waren jetzt die heftigen Atemgeräusche von mindestens drei Personen zu hören. Connor lief zwischen zwei Felsen hindurch und drehte sich kurz nach Jonas um, er war hinter ihm. Sein Skaphander kam ihm viel zu schwer vor und es war ihm, als ginge ihm der Sauerstoff aus. Das Atmen fiel ihm schwerer und der Skaphander schien immer enger zu werden.

Sein Herz, er spürte, wie es heftig schlug. „Oh Mann, zum Teufel mit diesen Gesteinsproben“, keuchte er und löste den Probenbehälter vom Skaphander. Samt Gürtel ließ er ihn fallen. Ein Stück Menschheit in einer feindlichen Umgebung, die wohl das letzte Mal ein Mensch zu Gesicht bekommen hatte. Einige der Gesteinsgeschosse waren so bedrohlich schnell, dass man sie nur erkennen konnte, weil sie einen Schweif aus Rauch und Asche hinter sich herzogen. Der Schweif löste sich jedoch schnell wieder auf. „Die sind gefährlich, diese Brocken!“, keuchte Connor. „Ach was … Was du nicht sagst … Warte doch mit dem Sarkasmus , bis … wir in Sicherheit sind“, röchelte Jonas außer Atem. „Nein, ich wollte sagen … Dieser Planet hat eine sehr dünne Atmosphäre … Das … Das erlaubt diesen Brocken unheimlich schnell zu werden … Verstehst du?“ „Ah … Und wenn schon … So oder so, die sind tödlich … Ich sehe das Schiff … Da vorne!“ Jonas streckte den Arm aus und zeigte auf das Landungsschiff. Fast um die ganze Anhöhe waren sie herumgelaufen und konnten nun die Stelle in der Ferne sehen, an der vor wenigen Minuten der Bohrstrahl in die Kernmantelgrenze des Planeten eingedrungen war. Rot und orange glühte dort die Umgebung, und etwa hundert Meter über dieser Stelle bildeten sich dicke Aschef locken, die durch die Hitze nach oben getrieben wurden. „Ich kann euch sehen, los, macht schon!“, rief Jarred laut in den Sprechfunk. Connor war nur noch wenige Meter vom Landungsschiff entfernt, der Schweiß rann an seinem Körper hinab und ihm kam der Schweißfanganzug unter dem Skaphander völlig nutzlos vor.

Dann wurden die Beben stärker. Connor ergriff die Haltestange an der Luftschleuse des Schiffes und zog sich hinauf, hinein in das Schiff. Dann griff Jonas nach der Haltestange. Er zog sich die Stufen hinauf, gerade wollte er den Kopf in der Luftschleuse verschwinden lassen, da sah er im Augenwinkel einen weißen Schimmer. Er blickte zur Ausbruchsstelle und sah für ihn Unglaubliches. Das orangefarbene Glühen war jetzt weiß und der Boden rings um die Ausbruchsstelle riss. Die Risse schlängelten sich vorwärts in alle Richtungen, sie breiteten sich aus. Sie wurden zu Spalten und aus ihnen strahlte ein helles weißes Licht. Durch diese Spalten geschwächt, wurde der Boden in der Umgebung der Ausbruchsstelle instabil. All das konnte Jonas sehen und es faszinierte ihn. So etwas hatte er noch nie erlebt. Gleichzeitig durchdrang ihn aber auch ein heftiges Gefühl von Missmut und Gleichgültigkeit. „Was machst du denn?“, schrie Connor laut aus der Luftschleuse. „Steig sofort ein!“ Jonas hörte ihn nicht, er war mit all seinen Gedanken bei diesem unglaublichen Schauspiel. Er fragte sich, wie hoch wohl der Druck unter der Planetenoberf läche war. Der Planet musste wie ein Ballon sein, ein winziger Stich, und der Druck entwich explosionsartig. Dann wichen sein Wissenschaftlerdenken und seine Faszination vollkommen der Gleichgültigkeit. Der Boden bei der Ausbruchsstelle verwandelte sich in Millionen winzige Brocken, die mit der nach oben schießenden Lava mitgerissen wurden. So wurde das Austrittsloch immer größer und breitete sich aus. Die Felsbrocken, die soeben nach oben gef logen waren, kamen natürlich auch wieder herunter.

Wie ein Regen aus Geröll prasselten sie zu Boden. Ein Schauspiel, wie es nicht viele Menschen zu Gesicht bekommen würden und wenn, dann wäre es bei den meisten auch das Letzte. Aber Jonas blickte gleichmütig dorthin und es berührte ihn nun in keiner Weise mehr. Ringsum war es finster, er stand auf der Leiter der Illinois, und die Scheibe von seinem Skaphander wurde von orangeweißem Licht angeleuchtet. Er dachte daran, dass all das, was dort gerade vor seinen Augen ablief, so unglaublich war, dass er selbst, seine ganze Welt und alles andere darin im Gegensatz dazu so winzig und bedeutungslos waren. All seine Sorgen, die ihn quälten, sie unterstützten diese Gedanken. Ein winziger Stein, der von der Ausbruchstelle nach oben geschleudert worden war, war nun wieder auf dem Wege nach unten und pochte heftig auf Jonas Helm. Jetzt erst besann er sich, kletterte in die Luftschleuse und betätigte den Schalter, um die Ausstiegsluke zu schließen.

Disclaimer | Impressum
www.andreas-monte.de Copyright © 2006 - 2014, alle Rechte vorbehalten.